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Have a break on the Titicaca-Lake

Puno:

Mehr als 500 Fotos an einem Tag! Das ist der bisherige Rekord auf unserer Reise. In Puno, der größten Stadt am Titicacasee, geraten wir in einen Farbenrausch sondersgleichen. In dieser Stadt findet, beginnend mit Lichtmess, zwei Wochen lang die "Fiesta de la Virgen de la Candelaria" statt, veranstaltet zu Ehren der Schutzpatronin. Für uns fühlt es sich irgendwie an wie Karneval von Rio im Kleinformat. Tanz- und Musikgruppen aus der näheren Umgebung, aber auch bis aus Lima bevölkern die Straßen und die Stadt platzt aus allen Nähten. Fantasievolle Kostüme und traditionelle Trachten gibt es da zu sehen. Es finden täglich mehrere Umzüge statt, in vielen Straßen der Innenstadt sind Essstände aufgebaut, um die vielen Teilnehmer verköstigen zu können. Die Menschen hier in Peru begrüßen uns mit unbändiger Lebensfreude. Ständig werden wir angelacht oder aufgefordert, mitzutanzen. Was für uns im Vergleich zu Bolivien neu ist: alle freuen sich, wenn sie fotografiert werden und sind stolz, ihre Kostüme und ihre Musik präsentieren zu können. Das Herz geht einem auf. Mit einigen Teilnehmern kommen wir ein bisschen ins Gespräch: Die "Glitzerkostüme" kosten bis zu 400 Dollar und werden jedes Jahr für diesen Zweck neu angeschafft. Uns gefällt aber besonders die traditionelle Kleidung der diversen indigenen Bevölkerungsstämme rund um den Titicacasee. Die Stoffe werden von den Frauen z.T. selbst gewebt. Alle Gruppen bleiben zwei Wochen in der Stadt, die Hotels müssen überquellen! Irgendwie rührend anzusehen ist es, mit welcher Begeisterung hier die Männer tanzen und wie die Blasmusik ihr Allerbestes gibt. Besonders ins Herz geschlossen haben wir die Panflötengruppe der Aymara mit den bunten Zipfelmützen, die die Männer angeblich selber stricken. Ihre Musik ist eine Art Dialog - nicht alle blasen gleichzeitig alle Töne und der Rhythmus ist gar nicht einfach. Es wird viel Bier getrunken, überall stehen Kästen herum, nachmittags haben etliche schon einen etwas verklärten Blick. Gegen 19 Uhr fahren wir - groggy von den Eindrücken - mit dem Sammeltaxi zu unserem Stellplatz außerhalb zurück und möchten nicht wissen, wie in der Stadt noch die Post abgeht.

 

Titicacasee und die schwimmenden Inseln der Uros:

Mit 3808 m Höhe und einer Fläche von 8400 Quadratkilometern ist er der größte Hochlandsee der Welt, 15 mal so groß wie der Bodensee. 30 % gehören zu Bolivien. Der See ist der traditionelle Lebensraum des Aymara-Volks, das die einst hier lebenden Uros zwang, sich auf schwimmende Schilfinseln zurückzuziehen, auf denen heute noch rund 2000 Menschen "leben". Sie bauen ihre Inseln, indem sie immer wieder neue Schichten des Totore-Schilfs, das überall am Ufer wächst, aufeinander legen. Mit dem Tourismus ist es hier wieder so eine Sache: Wir sind zwar selber Teil davon, sind dann aber doch irritiert von den Auswüchsen: Gelangweilt sitzen einige Einheimische vor ihrem ausgebreiteten Kunsthandwerk und lassen die Horden von Ausflüglern über sich ergehen. Die Hälfte der Bewohner hält sich nur tagsüber auf den Inseln auf und kehrt abends zum Festland zurück - genauso wie unsere Bootsführerin. Das Reisehandbuch beschreibt es so: "Die letzte Insel wäre wahrscheinlich längst untergegangen und mit ihr eine einmalige Lebensform, gäbe es nicht den beständigen Strom von Touristen, die einmal auf dem weichen Untergrund der Inseln herumlaufen möchten (stimmt: der Schilfboden gibt ziemlich nach und ist an vielen Stellen feucht). Die wenig authentische Show degradiert die Bewohner zwar zu Statisten, ermöglicht ihnen aber ein spärliches Zubrot. Dennoch, die Schilfinseln der Uro-Nachfahren gehören zum Titicacasee wie der Pisco Sour zu Peru."