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La Paz

Zuerst sind wir nicht ganz sicher, ob wir es wagen sollen. Es sind eigentlich zu viele Warnhinweise und Ratschläge, wie man sich als Tourist bei Kleckerattacken und sonstigem kleinkriminellen Krampf verhalten soll. Wir parken das Wohnmobil außerhalb in einem kleinen Dorf, nachdem Alex in einer Art Husarenritt das Verkehrschaos von El Alto bezwungen hat. Ein Moloch! Die Stadt ist ein einziges Chaos aus hupenden Minibussen, drängelnden Fußgängern und Straßenmärkten. Wir lassen den Fotoapparat zu Hause, schnallen die Bauchgeldbeutel um und nehmen uns eins der überall verfügbaren Sammeltaxis. Man stellt sich an den Straßenrand. Wenn der Fahrer hupt, hat er noch Plätze frei und man winkt ihn heran. Ein super funktionierendes System. 18 Leute passen rein, jede Fahrt, egal wie lang sie dauert, kostet 3 BOL (40 ct). Natürlich sind wir alle angeschnallt ....

La Paz liegt auf einer Höhe zwischen 3200 m und 4100 m und hat 800 000 Einwohner. Zwischen dem oben gelegenen El Alto (120 000 EW) und der Stadt in den Hügeln verkehrt eine 10 km lange Seilbahn österreichischer Bauart. Vier Linien wurden 2014 in Betrieb genommen. So gleiten wir also hoch über dem Verkehrschaos in die Schluchten der Stadt hinunter. Schon das allein ist ein unbeschreibliches Erlebnis und den Besuch in dieser Stadt wert. Wir besichtigen die Iglesia de San Francesco (endlich mal eine Kirche, die sich auch so nennen darf im Vergleich zu den oft armseligen Holzbauten Argentiniens und Chiles) und schlendern durch die Straßen. Überall wimmelt es wieder von den typischen Marktfrauen, die auf Kirchenstufen, am Bordstein, an jeder Ecke sitzen und ihre Waren ausgebreitet haben.  Die Stadt scheint überhaupt ein einziger Markt zu sein. DER Tipp in jedem Reiseführer ist der "Hexenmarkt". Hier werden neben Heilkräutern und traditionellen Hausmitteln allerlei skurrile Sachen angeboten: Wer wünscht sich Geldsegen, Potenz, einen glatten Po oder Haarausfall für die Nebenbuhlerin? Für all das und noch viel mehr gibt es die Lösung in Form von Seifen, Pulver oder Lamaföten. So lassen wir uns durch die Straßen treiben und entdecken endlich mal eine Post. In Uyuni verwies man uns auf die Frage nach Briefmarken tatsächlich auf die Post in La Paz. Da die Straßen relativ steil sind, wird man schnell müde. Wir spüren die Höhenlage - es geht einem ziemlich bald die Puste aus. So belassen wir es bei einem Tag La Paz und machen uns auf den Weg nach Peru, wo in Puno in den ersten zwei Februarwochen ein bedeutsames Straßenfest stattfinden soll.

Fazit Bolivien:

Es gibt in Bolivien so viele unterschiedliche Landschaften. Der Amazonasregenwald im Norden ist so gut wie gar nicht zu erreichen, der Osten nur durch eine einzige Hauptroute. Wir waren daher im Südwesten unterwegs und ob man´s glaubt oder nicht: Die Straßen hier waren die besten, die wir bisher auf unserer Reise befahren haben. Außerorts!! In den Städten sieht es anders aus. Viele Nebenstraßen sind grausam durchlöcherte Erdwege, die man bei Regen lieber nicht befährt. Es gibt (im Vergleich zu Argentinien und Chile) nur eine Dieselsorte, allerdings bekommt man als Tourist nicht an jeder Tanke was. Einheimische zahlen 3,7 BOL pro Liter, Touristen offiziell 8 BOL (1 BOL = 13 ct). Wenn man verhandelt, kriegt man den Liter für 5 bis 7 BOL, "sin factura!" - ohne Rechnung. Die Lebensmittelversorgung in den Städten geht eigentlich. Man kriegt Brot, Gemüse, Obst und Fleisch. Mit Wurst sieht's etwas mau aus und die einzige Käsesorte war uns suspekt. In kleinen Orten findet man nur Straßenstände mit frittiertem Hühnchen, ansonsten leider kaum Obst bzw. Gemüse, dafür aber viel Popcorn. Die Menschen sind - wie schon erwähnt - reserviert. Einige konnten wir in ein kurzes Gespräch verwickeln oder zu einem scheuen Lächeln bringen. Die Armut ist oft sichtbar. Aber unsicher haben wir uns auch hier nie gefühlt, nicht einmal in La Paz.