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An der argentinisch-bolivianischen Grenze

Je mehr man sich in Nordargentinien der bolivianischenGrenze nähert, desto mehr verändern sich Hautfarbe und Kleidung der Menschen. Wir sind allmählich im "Klischee-Südamerika" angekommen, wo die Frauen Zöpfe haben und Hüte, Faltenröcke und bunte Tücher als Rucksack tragen. Wir nehmen wieder mal zwei Anhalterinnen mit, die uns wiederum mitnehmen in ein kleines Dorf an der Grenze. Dort findet am Gelände eines Campingplatzes eine Art G´stanzl-Singen statt. Wir dürfen uns unter die Leute mischen und beobachten z.B., wie ein älterer Mann und eine ältere Frau aufeinander zugehen, sie fängt zu trommeln an, dann singen sie abwechselnd. Mehrere Gruppen stehen im Kreis und trommeln rhythmisch. Einer singt vor, die anderen wiederholen. Etliche sind um 14 Uhr schon recht lustig, nicht nur wegen der Gaudilieder, sondern es wird ganz schön Wein gebechert. Man erzählt uns, dass früher während der Militärdiktatur auf diese Art unverfänglich Nachrichten weitergegeben wurden, z.B. wer verhaftet wurde usw. Wir werden zum Essen eingeladen, aber als wir die Berge Fleisch auf dem Grill sehen, ziehen wir lieber weiter.

Die Grenze, ein Fluss, verläuft durch "eine" Stadt, La Quiaca auf der argentinischen, Villazon auf der bolivianischen Seite. Mittlerweile sind wir die Grenzformalitäten gewöhnt: Zwei Schalter bei der Ausreise, zwei bei der Einreise. Auf der argentinischen Seite klappt alles wie bisher, aber über der Brücke, auf der bolivianischen Seite, ist alles anders: Schlagartig steppt der Bär! Es wimmelt und wuselt. Viele Leute stehen Schlange, der Verkehr ist chaotisch. Innerhalb der ersten 20 Minuten in Bolivien erleben wir zweimal die berühmt-berüchtigte Korruption:

Ein älterer Grenzbeamter führt uns - anstatt zum ersten Einreiseschalter - in ein Zimmerchen, Büro?, lässt uns hinsetzen und kontrolliert ausgiebig unsere Reisepässe. Für diese Dienstleistung verlangt er 20 BOL (= 2,60 €). Die haben wir allerdings nicht, weil wir ja erst in Bolivien zum Geldautomaten wollen. Er fragt dann nach argentinischen Pesos. Die haben wir nicht mehr, die letzten gingen für einen Kaffee drauf. Um unsere Pässe wieder zu bekommen - wir sind einfach zu überrumpelt - bieten wir ihm 1000 chilenische Pesos (= 1,30 €) an, die er mürrisch in der Hosentasche verschwinden lässt. Während ich dann mit einem weiteren Grenzbeamten nochmal nach Argentinien über die Brücke muss - scheinbar haben die Kollegen dort einen Stempel vergessen - wird Alex von einem Polizisten angewiesen, das Wohnmobil zur Seite zu fahren. Dann macht er das weltweit bekannte Zeichen für Diridari und hält die Hand auf. Gut, dass Alex so gut Spanisch spricht! Nix gibt's! Auf jeden Fall sind wir nun gewappnet, haha, bei der nächsten "Kontrolle" schlagen wir zurück mit unserem "Formular der deutschen Botschaft"!

In Villazon lassen wir unsere Reifen durchwechseln, die zwei vorderen nach hinten und umgekehrt. Das kostet pro Reifen 80 ct! 

Auf der Fahrt Richtung Potosi, der ersten Großstadt, geht es Gott sei Dank sehr ruhig zu. Die Straße ist gut, es gibt kaum Verkehr und die Landschaft ist wieder einmal sehr beeindruckend. Auf dieser Höhe - zwischen 3600 m und 4000 m - kommt es einem vor, als ob der Himmel näher wäre. Der Abstand zwischen Boden und Wolken ist sichtbar geringer. Es regnet immer wieder, die Temperatur hat sich seit der Atacama halbiert.