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Atacama

Im Norden zieht Chile für uns zum Abschied nochmal alle Register: die Atacama. Die ganze Region nennt sich so, ihr Herzstück ist aber die größte Salzebene des Landes, wo es in bestimmten Bereichen seit Wetteraufzeichnung nicht geregnet hat - die trockenste Wüste der Welt. Kommt man vom grünen Valle del Elqui, verändert sich die Landschaft ab Copiapo dramatisch: eine kahle, karge, unwirtliche Gegend. Sie wird dominiert von vielen Minen, v.a. Kupfer (dem Chile seinen Wohlstand verdankt), aber auch Gold, Silber und Seltene Erden gibt es da. Bei Calama/Chuquicamata kann man die größte Tagebaukupfermine der Welt (Abbau seit 1915) besichtigen: 20 000 Arbeiter, 8 Quadratkilometer, 1250 m tief, die größte je von Menschen geschaffene Grube, eine permanente, über viele Kilometer sichtbare Staubfahne, riesige Abraumhalden und hausgroße Lastwagen... Wenn man den Friedhof von "Chuqui" besichtigt, wird einem klar, wie sehr die Arbeiter ausgebeutet wurden (und werden!). In 80 % der Gräber sind junge Männer zwischen 30 und 50 Jahren begraben. Seit einiger Zeit versucht die Betreiberfirma, die Arbeiter fürstlich zu entlohnen: 2000 € Gehalt (statt 600 € im Landesdurchschnitt), das beste Krankenhaus, das größte Einkaufszentrum... Doch wer hält es in dieser hässlichen Umgebung und mit dieser furchtbaren Arbeit länger als ein Jahr aus? Auch im Jahr 2019 gelangen immer noch zu viele Schadstoffe in die Umwelt. Der metallhaltige Staub aus der Mine wird vom Wind über den ganzen Kontinent verteilt, bis nach Brasilien und Argentinien! Katastrophe. In dieser Gegend war übrigens 2010 das Minenunglück, bei dem 33 Arbeiter 69 Tage lang in 700 m Tiefe verschüttet waren. "Los 33" sind zu Berühmtheiten in Chile und auf der ganzen Welt geworden, das Unglück wurde sogar verfilmt. 

Die Oase San Pedro de Atacama dagegen, ca. 100 km östlich, ist eine von Nordchiles Touristenmagneten. Die aus Lehmziegeln erbaute Kleinstadt liegt im Herzen einer spektakulären Landschaft. Dementsprechend wimmelt es hier nur so von Touristen. Man kann dort diverse Ausflüge buchen oder mit dem eigenen Wohnmobil machen. Wir entscheiden uns zunächst für den Trip zum Valle de la Muerte, einem engen Tal mit schroffen Felsen und einer riesigen Düne, wo die jungen Leute sandboarden. Das Highlight ist aber das Valle de la Luna. Das Mondtal verdankt seinen Namen dem mondartigen Terrain, das Wasser- und Winderosion über Jahrmillionen geformt haben. Wir fahren die 11 km ins Tal hinter und bestaunen die bizarren Felsformationen. Unvergesslich ist der Sonnenuntergang, den wir auf dem Grat einer riesigen Sanddüne erleben. Spektakulär verändern sich die Farben in dieser surrealen Mondlandschaft und alles erstrahlt in Gold-, Rosa- und Violetttönen, im Hintergrund der fast 6000 m hohe Vulkan Licancabur.