· 

Paso Agua Negra

Bis 4400 m sind wir gekommen. Dann ist uns die Puste ausgegangen. Nicht uns. Dem Wohnmobil!

Aber von vorn: Wieder aufgrund eines Tipps von Travellern, einem jungen Pärchen aus Bamberg, wollen wir den 4775 m hohen Paso del Agua Negra erklimmen. Er ist der höchste befahrbare Grenzpass zwischen Chile und Argentinien und einer der höchsten weltweit. Man fährt von La Serena (Meereshöhe) über Vicuna durch das fruchtbare Valle del Elqui hinter. Links und rechts der Straße werden Pisco-Trauben, Avocados und Papayas angebaut. Je höher man kommt, desto karger wird die Landschaft. 92 km vor der Passhöhe werden die Grenzformalitäten erledigt. Wir müssen hier melden, dass wir eine Nacht am Pass bleiben und am nächsten Tag erst wieder  zurückkommen (wir wollen nicht nach Argentinien rüber sondern nur den Pass "erleben"). Diese Angabe ist wichtig, denn sonst wird man abends von den Carabineros gesucht und kriegt mächtig Ärger (Erfahrung von Reisenden!). Die Passstraße ist dann noch eine kurze Strecke geteert, ca. 80 km fährt man wieder auf dem altbekannten Schotter. Aber es lohnt sich! An einem tiefblauen Stausee vorbei gelangt man in eine unglaublich tolle Landschaft mit in allen Farben schillernden Bergen. Nach jeder Kurve eröffnen sich neue unbeschreibliche Perspektiven. Unser Navi zeigt uns die Höhenmeter an und ab 3800 m merkt Alex, dass das Auto nicht mehr "zieht", die Luft wird dünn. Es ist bekannt, dass die meisten Autos in der Höhe Probleme kriegen und nicht mehr richtig abziehen. Wir sind also darauf vorbereitet, aber dass gar nichts mehr geht...? Ab 4200 m wird es richtig mühsam, das WoMo plagt sich und plagt sich. Auch andere Autos kriechen im Schritttempo mit schwarzer Rußfahne am Auspuff hoch, einer wird bereits abgeschleppt. 4400 m: rien ne va plus! Er weigert sich weiterzufahren. 17 km und 400 Höhenmeter wären es noch gewesen zur Passhöhe. Vielleicht hätten wir's im ersten Gang mit hoher Drehzahl geschafft, aber wir wollen unser treues Zugpferd nicht unnötig quälen. Was bleibt da also anderes übrig als ca. eineinhalb Kilometer rückwärts zu fahren, bis die Straße breit genug zum Wenden ist. Ein bisschen Spaß muss sein ;-)

Wir suchen einen Stellplatz und kriegen abends tatsächlich netten Besuch von zwei feschen Carabineros, die einfach vorbeischauen, ob alles in Ordnung ist. Nachts genießen wir die absolute Stille und den Sternenhimmel.

Am nächsten Morgen dann fahren wir wieder Richtung Tal und erleben an der Grenze drei Musterexemplare von "deutscher" Gründlichkeit. Obwohl wir das Land ja nicht verlassen haben, wird unser Wohnmobil von einem Schnüffelhund und drei übel gelaunten Typen auf den Kopf gestellt: Fruchtkontrolle vom Allerfeinsten! Jede Kartoffel wandert von Hand zu Hand und wird argwöhnisch beäugt. Wir versuchen den Herren und dem Hund klarzumachen, dass wir in Vicuna im Supermarkt eingekauft haben, um für den Ausflug zum Pass gerüstet zu sein. Sie beachten uns gar nicht und öffnen jede Schublade, jede Bodenklappe, kriechen am Bauch rum, um ins hinterste Winkelchen zu spähen, die Heckgarage wird durchschnüffelt und sogar die Außenklappe zum Wasser ablassen.... Besonders ausführlich diskutieren sie die angeschnittene Melone und die Banane durch. Nur nicht aufregen! Freundlich bleiben ist die Devise. Schließlich lassen sie uns nach einer halben Stunde mürrisch ziehen, unsere Vorräte dürfen wir behalten. Ein weiterer, Englisch sprechender Beamter, zuckt verlegen mit den Schultern: Ist bei uns Gesetz. Farce!