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Erste Ziele in Chile

Chile ist dunkel. Das ist unser erster Eindruck. Dunkle Wälder, dunkle Holzhäuser, dunkle Seen, dunkler Sandstrand, dunkle Wolken... Zwei Monate in Argentinien - das war weite ockerfarbene Grasbüschelsteppe, lichte Wälder, einsame staubige Straßen und, mit Ausnahme von zwei Tagen Regen, immer Sonne und kaum Wolken. Chile, vor allem der südlichere Teil, kriegt scheinbar vom Pazifik her den ganzen Regen ab. So entdecken wir unmittelbar nach der Grenze eine fruchtbare "bayerische" Agrarlandschaft mit fetten Wiesen und Feldern sowie üppigen, naturbelassenen Wäldern. Man könnte meinen, man wäre am Chiemsee, wenn da nicht die Vulkane wären, die zwischen Puerto Montt und Osorno in der Landschaft stehen. Der Vulkan Osorno ist ein Bilderbuchexemplar mit Zuckerhutkäppchen, ganzjährig kann man hier Ski fahren. Unsere erste größere Stadt ist Pucon, sehr touristisch, viele Bars und Souvenir-Shops. Es fahren auffällig viele große Markenautos herum. Lebensmittel und Essen gehen ist spürbar teuerer (2 x Lachs mit Pommes, 1 Salat, 2 Wasser = 45 Euro). Offensichtlich geht es den Chilenen besser als den Menschen in Patagonien. In allen größeren Städten gibt es riesige Einkaufszentren. Wir treffen auch auf ein paar besonders geschäftstüchtige Leute, z.B. am Campingplatz kostet das Übernachten 5 € pro Nase, bleibt man tagsüber noch stehen, kostet das extra nochmal 3 €. Auch die Parkplätze in den Städten kosten Gebühr. Selbstverständlich zahlt man auch für die Autobahn, dafür kriegt man aber einiges geboten: super Teerdecke, ordentliche Beschilderung, Traktoren, Radfahrer, Haltestellen für Busse und Leute, die dort auch ein- und aussteigen sowie hin und wieder ein Huhn.

Die Autobahn zieht sich durchs ganze Land hoch. Chile ist 4275 km lang und im Durchschnitt 180 km breit. Ganz im Süden ist es eine reine Fjordlandschaft ohne Straßen, dann schließt sich die berüchtigte Carretera Austral an. Einige verstörte, Schotter-traumatisierte Wohnmobilisten haben sie "gemacht" und uns total abgeraten. Ab Puerto Montt etwa beginnt dann die besagte Autobahn, von der aus wir mal nach links, mal nach rechts Abstecher unternehmen. So entdecken wir immer wieder gigantische Hortensienhecken - die Bretagne kann sich verstecken! Interessant ist die Gegend zwischen Puerto Montt und Osorno, denn hier gibt es nicht nur Vulkane zu bestaunen, sondern den immer noch spürbaren Einfluss der deutschen Besiedlung in den 1850er Jahren. An der Strandpromenade von Frutillar stehen nette "German Houses" und in jedem zweiten gibt es "leckeren Kuchen". Im Museo aleman - einer Art Freilichtmuseum - treffen wir auf eine deutsche Kreuzfahrtschiffstruppe (Durchschnittsalter, ähm, 78). Trotz windiger 15 Grad baden die Einheimischen hier im See. Wir sehen staunend, in Daunenjacken eingemummelt, zu. 

An der Pazifikküste findet man wunderschöne einsame Strände mit schwarzem, feinen Sand und gigantischen Wellen. Wir verbringen den Jahreswechsel in einem verschlafenen Dörfchen bei Niebla, um 12 hören wir ein paar Hunde bellen.

Es gibt auch wieder viele Nationalparks, einen davon, in der Nähe von Talca, haben wir erkundet: Parque Altos de Lircay. Die Wanderwege sind gut präpariert, man fühlt sich wie im Urwald, die Papageien schreien und man ist wieder ganz allein auf der Welt. An einigen Miradors hat man grandiose Ausblicke in die dunkle Berglandschaft.

Auf unserem Weg nach Norden durchqueren wir eine äußerst fruchtbare Gegend mit Apfel-, Birn- und Kirschbäumen, Haselnusssträuchern und Mais. Schließlich gelangt man in ein weitläufiges Weinanbaugebiet und wie durch Zufall landen wir in einem der berühmtesten Weingüter Chiles, Via Manent, wo wir eine Führung inclusive Kutschfahrt durch die Weinfelder machen. 

Dies ist nun ein Sammelsurium von größtenteils Handyfotos, weil wir die letzten Tage zu bequem waren, den Apparat mitzuschleppen ;-)