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Auf der legendären Ruta 40

Die Ruta Nacional 40 ist mit 5300 km die längste Nationalstraße Argentiniens. Sie ist eine der längsten Fernstraßen der Welt und scheinbar sind wir die einzigen, die sie befahren. Man stelle sich vor, man fährt von Regensburg nach Hof, es kommen einem drei Autos entgegen, keine Stadt, kein Dorf, kein Baum... die Strecke ist - wie schon in der Pampa - zum Teil total fad, zum Teil führt sie aber auch spektakulär durch bergige Landschaften mit Sicht auf die Anden. Ganz besonders ist das Licht gegen Abend und die Wolkenformationen, die man so bei uns nicht kennt (oder sehen wir hier alles durch die verklärte Reiseabenteuer-Brille?). 76 km dieser Straße Richtung Perito Moreno Gletscher im Süden ist wieder Schotter, ächz! Unsere Waldwege sind in besserem Zustand! Auch Schlaglöcher gibts vom Feinsten (s.u.).

 

Auf dieser Ruta haben wir verschiedene Begegnungen:

 

1. Guanakos:

Sie queren ungeniert die Straße und man muss aufpassen, dass man sie nicht überfährt. Links und rechts der Straße sind eigentlich Zäune (über Hunderte von Kilometern! Wem gehört das Land? Wo sind die Estancias? Wo sind die dazugehörigen Rinder?), aber sie springen locker drüber. Haben aber auch schon eins tot am Zaun hängen sehen oder Skelette im Straßengraben, Fotos wollten wir euch ersparen... 

 

2. Schlaglöcher:

Man fährt stundenlang, muss nur hin und wieder auf Windböen aufpassen. Die Straßendecke ist super, man fotografiert zum 50. Mal die Landschaft und plötzlich stehen einem die Haare zu Berge: mindestens 20 cm tiefe, bis zu 3 Quadratmeter große Löcher! Gott sei Dank ist kein Verkehr, man kann - irgendwann kriegt man einen Blick dafür - relativ gut ausweichen. Aber man muss ständig auf der Hut sein.

 

3. Menschen:

Man muss sich nochmal unsere Tagesetappen vorstellen: Wir starten im Ort Perito Moreno, fahren 130 km, kommen zum Dörfchen Bajo Caracoles (s.u.), fahren 230 m zum nächsten Ort Gobernador Gregores. Dazwischen ist nichts außer Wind. Und da begegnen wir einem jungen Mann. Wir haben ihn leider nicht nach seinem Namen gefragt. Er ist seit zwei Jahren unterwegs- von Kanada aus gestartet - mit dem SKATEBOARD! Sein Gepäck schiebt er in einem Wagen vor sich her. Fröhlich erzählt er uns, dass er aus Singapur kommt und schon in Berlin und anderen Städten in Europa war und nun die Panamerikana macht mit dem Ziel Feuerland (...wo wir schon mit dem Auto nicht hinwollen, weil es zu kalt und noch viel windiger ist. Da fliegen laut Erzählungen von Travellern schon mal Kieselsteine durch die Luft oder die wilden Hunde schlittern durch die Gegend). Wir geben ihm Wasser, Kekse und einen Apfel. Mehr möchte er nicht. Er geht uns tagelang nicht mehr aus dem Kopf!

 

4. Der Arzt von Bajo Caracoles:

Dieses Dörfchen liegt, wie schon erwähnt, zwischen Perito Moreno (130 km entfernt) und Gobernador Gregores (230 km entfernt) in der patagonischen Einsamkeit, die Darwin schon als steril und wüstenartig beschrieben hat. Wir machen kurz Halt und treffen den dortigen Arzt mit seinem Pony. Von ihm erfahren wir, dass er hier 24 Stunden am Tag zuständig ist für die 50 Einwohner und durchfahrende Touristen. Er führt ein kleines Hospital, vor dem ein Lämmchen Wache hält. In dem Ort gibt es außerdem ein Hostel, einen Campingplatz, eine Tankstelle und....

eine Schule! Vier Kinder werden dort von zwei Lehrern unterrichtet (das ist mal ein Schlüssel!), donnerstags und freitags kommen drei weitere Kinder aus Estancias der Umgebung dazu. Die Klassenzimmer, das Lehrerzimmer und die "Turnhalle" können wir fotografieren, weil die Tür offen ist und sich auf unser mehrmaliges Hola? niemand meldet. Traumhaft auch der Pausenhof! Bloß blöd, wenn der Ball durchs Tor geht...

https://de.wikipedia.org/wiki/Ruta_Nacional_40