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Montevideo

....irgendwie klingt dieser Ort nach Fernweh, Sehnsucht, Exotik...? Wir verbringen drei Tage hier und müssen das nüchterne Fazit ziehen: Es ist nicht unsere Stadt. Gut, wir sind da, weil unser Wohnmobil hier ankommt. Aber wir haben keinen Zugang zu dieser Stadt gekriegt. Das merkt man auch daran, das Alex kaum Fotomotive gefunden hat. Die Stadt ist schachbrettartig angelegt und man kann sich leicht orientieren. Irgendwann stößt man immer auf den Rio de la Plata, der einem hier noch dreckiger vorkommt als in Buenos Aires. Braune Brühe mit toten Fischen. Alles scheint einheitsgrau, viele geschlossene Läden, viele leer stehende, verfallene Häuser, die Bürgersteige werden um 19 Uhr hochgeklappt. Man muss den Glanz vergangener Zeiten suchen. In der Abendsonne ist zumindest die Fußgängerzone mit ihren Palmen ganz nett anzusehen. Wie schon in Buenos Aires treiben sich auch hier viele Schulklassen herum und beleben die Straßen. Die weißen Kittel und blauen Halsschleifen sehen bei den Jungs irgendwie komisch aus - ich weiß nicht, ob unsere das anziehen würden?  

Ein Tipp für Reisende: In Uruguay sollte man immer mit Karte zahlen, man bekommt dann die Mehrwertsteuer abgezogen. Sogar beim Eisstand wurden wir gefragt, ob wir unsere zwei Kugeln mit Karte zahlen wollen. 

Laut Wikipedia ist Montevideo die Stadt mit der höchsten Lebensqualität in Lateinamerika. Dem entgegen steht die Aussage eines Einheimischen, mit dem wir uns länger unterhalten haben. Er möchte nächstes Jahr nach Österreich auswandern, weil seine Frau weg will und er sich für seine Kinder dort eine bessere Zukunft verspricht. 

Es gäbe viele Museen (u.a. das Karnevalsmuseum - hier muss im Februar ähnlich wie in Rio die Post abgehen) und Theater, aber wir haben etliche Behördengänge zu absolvieren und daher keine Zeit und keinen Kopf für Kultur. Vielleicht ist das auch der Grund, dass die Stadt uns nicht begeistert und tun ihr Unrecht? Die Ausschiffung ist auf jeden Fall recht kompliziert. Man braucht etliche Bescheinigungen und Stempel von diversen in der Stadt verteilten Behörden, um das Fahrzeug aus dem Hafen raus zu bekommen. Im Internet gibt es Anleitungen von erfahrenen Travellern zum Bewältigen des Behördenmarathons nach dem Motto: Wenn die blonde Dame am Schalter rechts Lust hat, bekommt man das Formular gleich abgestempelt. Wenn nicht, muss man per Email einen Termin vereinbaren - was bei uns der Fall war. Reservierung für den nächsten Tag um 10:30 Uhr an Schalter 4 - nur dass dieser Schalter am nächsten Tag nicht besetzt ist. Irgendwann wird von einem Nuschler unsere Nummer aufgerufen - wir hätten ihn auch auf deutsch nicht verstanden - ach, Roman..... Irgendwann erfahren wir dann, dass das Hafenpersonal streikt (daher die brennenden Reifen und der Lärm auf der Straße beim Hafen!) und keiner weiß, wann die Grande Brasile von den Grimaldi Lines einlaufen kann. Frust. Als wir abends am Hafen spazieren gehen, sehen wir....den Grimaldi-Rostkutter mit unserem Wohnmobil drauf (was wir doch hoffen) ganz nah an uns vorbeiziehen!! Große Freude!! Wenn das Hafenpersonal Lust hat, könnte es morgen klappen.

Was uns aber nach wie vor begeistert, sind die Menschen hier, die voller Neugierde und Offenheit auf einen zugehen und sich gern mit uns unterhalten - mit Handschlag zum Abschied. Auch unsere Hostels, sowohl in Colonia als auch hier, sind sehr angenehm, sauber und von freundlichen Menschen bevölkert - übrigens nicht nur von jungen Backpackers, es sind auch einige Silberrücken dabei ;-)